Alfred Delp SJ: Märtyrer

Alfred-Delp_Portrait_115„Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind“, das hat Alfred Delp kurz vor seiner Hinrichtung  am 2. Februar 1945 in einem Kassiber aus der Strafanstalt Berlin-Tegel geschrieben.

Der am 15. Sep. 1907 in Mannheim geborene  Alfred wurde in seiner Jugend durch den „Bund Neudeutschland“ geprägt.  Gleich nach seinem Abitur an der Goetheschule in Dieburg trat er 1926 in den Jesuitenorden ein. Als charismatischer  Jesuit hat er sich  intensiv mit sozialen und sozialphilosophischen  Fragen beschäftigt. Im „Kreisauer Kreis“ brachte er sich mit der christlichen Soziallehre ein, die nach der unausweichlichen Niederlage ein besseres Deutschland schaffen könnte.  Sein  christlich-sozial orientiertes Denken wurde ihm von den Nazis  zum Vorwurf gemacht der schließlich zur Hinrichtung führte.

Schon von 1928 bis 1931  war er zum Studium in München-Pullach, 1939 Promotion zum Dr.phil.,  1939 bis 1941 Redakteur bei den „Stimmen der Zeit“ in der Münchner Veterinärstr. 5.

Als  im Frühjahr 1941 die Vermutung aufkam, dass der Redaktionssitz der „Stimmen der Zeit“  von den Nazis beschlagnahmt werden könnte (was dann am 18. April 1941 tatsächlich geschah – die Patres  mussten das Haus dann in kürzester Zeit verlassen), organisierten die unverdächtigen ND-Buben per Leiterwagen von der Veterinärstraße durch den Englischen Garten zum Pfarrhaus St. Georg in Bogenhausen heimlich den Umzug der für die Jesuiten wichtigen Bücher. Ab Mai 1941 war Pater Delp dann in der Pfarrei Heilig Blut tätig und übernahm dort die Jugendarbeit. P. Karl Adolf Kreuser (Kado) SJ , damals einer der Buben, erinnert sich:
„Wir lernten von ihm, dass man genau  hinschauen soll, was einem die Politiker (hier die Nazis) vorspielten. Dieses ‚Hinschauen‘ führte schnell zum ersten Widerstand. Während der Sommerferien 1941 wurden in München (und wohl auch in ganz Bayern) die Kreuze aus den Schulen entfernt. Alfred Delp organisierte für die Gebeleschule rund dreißig Mütter und für das Wilhelmsgymnasium dreißig Schüler, die in einer Nacht- und Nebelaktion in allen Klassenzimmern neue Kreuze anbrachten. Der Erfolg war ein Wutausbruch des Gauleiters Wagner und die Beurlaubung der Täter.
Ich musste das zusätzlich büßen, denn mein Vater schickte mich, damit die Lücken im Unterrichtsstoff nicht allzu groß wurden, zu P. Delp, der mich Latein und Griechisch lehren sollte. Hier habe ich den guten Pater nun von einer anderen Seite erlebt. Seine Geduld war nicht allzu groß, er hatte genug anderes zu tun, und ich bekam manche Kopfnuss von ihm verpasst. Wir lernten uns immer besser kennen, und mit dem Kennenlernen wuchs auch das Vertrauen, und das ist für einen Jugendlichen sehr wichtig. Mein Vater und P. Delp weihten mich ein in der Abhören von  ‚Feindsendern‘. Ich wusste nur zu gut, dass das streng verboten war. Oder ich wurde eingeweiht in das Verteilen von Hirtenbriefen und in andere regimefeindliche Handlungen. Das eigentliche Erlebnis für mich war die Verhaftung des Paters am 28. Juli 1944. Ich war damals noch Flakhelfer. In unserer Batterie waren viele Jugendliche aus  der Pfarrei Heilig Blut – vom ‚treulosen‘ Wilhelmsgymnasium kommend. Ich erinnere mich gut, wie unter uns ein Hass auf Hitler und seine Regierung ausbrach.“

 

1942 bis 1944 war Delp Kirchenrektor in St. Georg München – Bogenhausen. Er  wurde als wortgewaltiger Prediger geschätzt; über Gestapospitzel machte er sich lustig, wurde  am 28. Juli 1944 aber dann von der Gestapo doch verhaftet. Am  11. Jan. 1945 erfolgte nach Isolationshaft, Folter und Hunger das Todesurteil durch den Volksgerichtshof mit Roland Freisler, das am 2. Feb. 1945 in Berlin vollstreckt wurde.

Auch wenn  bis jetzt kein Selig- bzw. Heiligsprechungsverfahren stattgefunden habe (für den Orden war er damals zu aufmüpfig) , sei Alfred Delp „ein wahrer Märtyrer,  der mit seiner ganzen Existenz  für Christus eingetreten ist“ (Kardinal Karl Lehmann) ;   das  aktuelle Martyrologium  der Deutschen Bischofskonferenz   enthält ihn daher als Märtyrer des 20. Jahrhunderts.

Ölumene der Märtyrer
Alfred Delp: „Wenn die Kirchen der Menschheit noch einmal das Bild einer zankenden Christenheit zumuten, sind sie abgeschrieben.“
Als Sohn einer katholischen Mutter und eines evangelischen Vaters  erlebte Alfred die konessionelle Enge hautnah, die er aber,  in der vom Naziregimes über Deutschland gebrachten Krise,  überwandt:  Mit dem  Protestanten Helmuth James v. Moltke arbeitete der Katholik Alfred Delp im „Kreisauer Kreis“ freundschaftlich zusammen, miit ihm wurde er von den Nazis eingesperrt und hingerichtet.  Sie waren am Ende der Überzeugung, „hier wird nicht ein katholisches oder evangelisches Zeugnis gegeben, sondern es geht hier um ein christliches Zeugnis schlechthin.“
Im FAZ-Interview  vom 1. Mai  2008: sagt Philipp von Boeselager,  Wehrmachts-Offizier und nicht endeckter  Beteiligter am Attentat vom 20.Juli 1944 :  „Ich behaupte immer, die Ökumene hatte ihren Ursprung im KZ und im Widerstand.“  Alfred Delp ist einer dieser Pioniere.

Alfred Delp: Mystiker
Thomas Merton, ein Trappistmönch,  nennt Delps aus dem Gefängnis geschmuggelten Texte (1947  posthum erschienen als „Im Angesicht des Todes“)   „die vielleicht klarsichtigsten … christlichen Meditationen unserer Zeit“  und bezeichnet  Delp als einen Mystiker. „Die Welt ist Gottes so voll.  Aus allen Poren quillt er uns gleichsam entgegen“, schrieb Delp im November 1944, auf seinen Prozeß wartend – sachlich als eine  „Mystik der offenen Augen“ , so Merton.  Alfred Delp habe seine Sehnsucht nach einer besseren Welt nicht ins Jenseits verlagert. (A. Batlogg SJ, 2007).
Delps  Vorstellungen von einer missionarischen und diakonischen Kirche klingen wie eine aktuelle Vorlage für Papst Franziskus –   modern und nicht museal ist Alfred Delp.

 

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